Ein Teil der Mitglieder hatte sich bereits früh auf den Weg gemacht um auf dem Kinderfest auf der Stuttgarter Messe unseren Zweck zu repräsentieren. Zeitgleich begannen auch zwei andere Mitglieder einen ganz besonderen Tag. Der Tag unserer ersten Wunscherfüllung hatte begonnen und einen sonnigeren und wärmeren Zeitpunkt hätten wir uns dafür nicht wünschen können. Gemeinsam machten wir uns auf zur Diakonie in Waiblingen um eine Person abzuholen, welcher der heutige Tag gewidmet werden sollte.

In der diakonischen Einrichtung zur Eingliederung von körperlich und geistig eingeschränkten Menschen begegneten wir unserem Wunschträger Markus. Markus gehört zu der Gruppe der Angelman, einer besonderen Form des Autismus.

Das Angelman –Syndrom wird durch eine Genanomalie hervorgerufen und führt dazu dass die Personen kognitive Störungen besitzen, oft hyperaktiv sind sowie psychische und motorische Entwicklungsverzögerungen haben. Oft wie auch im Falle von Markus sind die Personen sehr lebhaft, lachen viel, sprechen dafür aber häufig nicht oder nur wenig. Markus selbst spricht nicht, verständigt sich aber über deutliche körperliche Signale und kehlige Rufe (lautieren). Zudem überraschte er uns im Laufe des Tages häufig durch seine Selbstständigkeit oder clevere Handlungen.

Schnell schlossen wir Markus in unser Herz. Er lachte viel, nahm uns an den Händen und führt uns herum. Er umarmt seine Mitbewohner und drückt seine Gedanken häufig durch sein schelmisches Grinsen aus. Auch wenn er am Anfang Anzeichen von Nervosität zeigte, überwog seine Neugierde schnell und er machte sich mit uns zusammen auf sein kleines Abenteuer zu erleben.

So lief er uns bereits voraus aus dem Gebäude hinaus in Richtung des geparkten Autos. „Markus liebt es Auto zu fahren“, erklärt uns eine Betreuerin vor der Abreise. Um Markus eine besondere Freude zu machen und ihm ein besonderes Fahrgefühl zu ermöglichen, führten wir unsere Reise daher in einem Cabrio durch. Mit geöffneten Cabrio Verdeck machten wir uns auf die Reise in das knapp 30 km entfernte Welzheim. Der kühle Fahrtwind war eine willkommene Erfrischung unter der brennend heißen Sonne. Mit weit aus dem Verdeck hinaus gestreckten Armen erfreute sich Markus an dem Fahrtwind der durch seine Haare und Finger strömte. Markus andauerndes Grinsen während der Fahrt machte auch uns glücklich, denn es verdeutlichte das wir bereits begonnen hatten ihm einen besonderen Tag zu bereiten. Gut gelaunt war uns klar, dass uns am heutigen Tag noch viel Spaß und Freunde erwarten würde.

Kurz nach 11 Uhr erreichten wir den Wald-Erlebnispark Eins+Alles an der Tannenmühle in Welzheim. Nachdem uns eine freundliche Mitarbeiterin den Weg zum naheliegenden Behindertenparkplatz wies, stiegen wir aus dem Auto aus und betrachteten die schön gestaltete Umgebung.

Eins+Alles ist ein sogenannter Sinnespark, der von der Christopherus Arbeits- und Lebensgemeinschaft e.V. betrieben wird. Mit Spiegeln, Wind- und Farbspielen werden Sinnesreize vermittelt. Seilparkoure, Waldwege und Labyrinthe bieten besonders aktiven Personen die Möglichkeit sich sportlich sowie geistig herauszufordern. Der größtenteils im Wald gelegene Rundgang ist besonders für Familien mit Kindern und Personen mit geistiger Behinderung zu empfehlen. Da Treppensteigen unerlässlich ist und die Waldwege von Wurzeln und Steinen gesäumt sind ist der Rundgang für Personen mit Gehbehinderung eher nicht zu empfehlen. Allerdings bietet auch der Bereich um das Kassenhaus einige Attraktionen sowie ein Restaurant welches zum Verweilen einlädt.

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Noch vor dem eigentlichen Start schauten wir uns das Hauptgebäude an in dem auch die Kasse für den Park war. In den oberen Stockwerken konnten hier zahlreiche Experimente durchgeführt werden. Kugeln konnten durch ein Röhrenlabyrinth geleitet werden, Klangschalen konnten geschlagen werden und an der Decke hängende Fässer boten die Möglichkeit sich kurzzeitig zu verstecken. Von all dem wenig irritiert interessierte sich Markus besonders für die Umgebung um das Gebäude und so zog es ihn immer wieder an die Fenster um die schöne Waldsiedlung zu betrachten. Von der oberen bis zur unteren Etage hing ein großes Pendel, dessen Spitze am Ende seine Kreise durch eine Sandbahn zog.

Nach einer Stärkung mit Kaffee und Kuchen begaben wir uns an die Nordseite des Parks. Dort starteten wir den Rundgang des Waldparks. An Seilparkours vorbei über zahlreiche Waldwege und Labyrinthe rasteten wir kurz gemeinsam auf einem Waldbett. Besonders beeindruckt war Markus von einer großen Kugelbahn, die sich einen Hügel den Wald hinunter zog. Die Kugel wurde am Anfang der Bahn eingelegt und überwand zahlreiche Hindernisse auf ihrem Weg durch den Parkours bis zum Ende des Hügels. Jeder neue Durchlauf der Kugel brachte Markus erneut zum Lachen.

Nachdem wir den Waldweg hinter uns gelassen hatten war es nur ein kurzer Spaziergang zurück zum Auto, mit dem wir uns wieder auf die Heimreise machten. Müde aber glücklich umarmte Markus kaum wieder Zuhause angekommen einen Mitbewohner welcher von der Geste sichtbar gerührt war und strahlte. Mit diesem schönen letzten Bild verabschiedeten wir uns von Markus. Aber für uns stand fest dass wir uns nicht das letzte Mal auf eine gemeinsame Reise begeben haben und uns bald wiedersehen würden.